Katholisches Bildungswerk Stuttgart

Fußball, Filme und Fairplay

Kicken ohne Augenlicht
Die Teilnehmer des diesjährigen Vater-Kind-Wochenendes „Fußball, Filme und Fairplay“ überrascht ein ganz besonderer Gast. Mulgheta Russom, Fußballer, Rekordschütze der Deutschen Nationalmannschaft und fünffacher Deutscher Meister mit dem MTV Stuttgart, besucht die Väter und ihre Sprösslinge in der Sportschule Ruit für ein gemeinsames Training. Mulgheta ist nicht irgendein Fußballer, nein, der 38-Jährige ist Blindenfußballer. Nach einem Autounfall im Alter von zwanzig Jahren verlor er sein Augenlicht und musste sein Leben neu sortieren. Seine Liebe zum Sport und sein Humor haben ihm dabei geholfen.
Heute ist Mulgheta nicht nur selbst erfolgreicher Sportler, sondern hat seine Leidenschaft auch zum Beruf gemacht. Er ist Deutschlands erster blinder Fitnesstrainer und Spezialist für Schulter-und Nackenproblematik. Außerdem gibt er immer wieder Workshops, in denen er Sehende in die Welt der Blinden holt. Dabei demonstriert er durch verschiedene Sportübungen, die die Workshop-Teilnehmer durchgängig mit verbundenen Augen durchführen müssen, wie man sein fehlendes Augenlicht kompensieren kann. „Wer nichts sieht, muss seine anderen Sinne schärfen“, sagt Russom. Doch was er so locker ausspricht, lässt sich in der Praxis nicht so leicht umsetzen. Da wird sowohl bei den Kindern als auch bei ihren Vätern aus einem versuchten Sprint, geleitet lediglich durch das Geräusch des Rasselballs der Blindenfußballer am anderen Ende der Halle, schnell ein vorsichtiges Staksen, bei dem so mancher auch noch orientierungslos in die falsche Richtung läuft.
Auch die Torschussübung verlangt den Hobbykickern des Katholischen Bildungswerks größte Aufmerksamkeit ab. „Ihr müsst Euch jetzt in mehrfacher Hinsicht konzentrieren – wo liegt der Ball, wie treffe ich ihn und in welche Richtung muss ich schießen,“ erklärt der blinde Fußballer seinen Schützlingen. Als einzige Hilfestellung dient ein Mitspieler, der durch laute „Hier, Hier“-Rufe mittig hinter dem Tor stehend, dem Schützen Orientierung gibt.
„Mir geht es darum, den Menschen Selbstvertrauen, Selbstüberwindung, Orientierung und Koordination sowie einen Einblick in die Welt eines Blinden zu vermitteln“, begründet Mulgheta Russom seinen Einsatz an Schulen, in Vereinen und anderen Einrichtungen. „Diese Eigenschaften sowie eine gute Kommunikation mit meinen Mitmenschen sind für mich als Nicht-Sehender das A und O, um die alltäglichen Herausforderungen in allen Lebensbereichen eigenständig bestreiten zu können. Das kostet natürlich viel Energie“, gesteht der sympathische Sportler, der bei der Heim-EM in Berlin vom 17. bis 27. August auf den ersten internationalen Titel hofft.

Patricia Leßnerkraus

Wer Mulgheta Russom für einen Workshop oder einen Impulstalk buchen möchte, nutzt bitte das Kontaktformular auf seiner Homepage: www.mulgheta-russom.de

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